Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des Bundesverbands Cannabiswirtschaft (BvCW) zeigt, dass die Mehrheit der Akteure in der deutschen Cannabisindustrie eine vollständige Rücknahme des Cannabis-Legalisierungsgesetzes des Landes (CanG) für unwahrscheinlich hält.
Dies erfolgt inmitten politischer Unsicherheiten nach der jüngsten Bundestagswahl, die eine Debatte über die Zukunft der Cannabispolitik im Land entfacht hat.
Umfrageergebnisse zeigen starke Unterstützung für die Stabilität des CanG
Die BvCW-Umfrage befragte Branchenmitglieder zur Wahrscheinlichkeit einer kompletten Rücknahme des CanG-Gesetzes, das den persönlichen Anbau und Besitz von Cannabis in Deutschland legalisierte. Die Ergebnisse zeigen:
- 63,83% glauben, dass eine vollständige Rücknahme „sehr unwahrscheinlich“ oder „eher unwahrscheinlich“ ist.
- 19,15% denken, dass eine teilweise Rücknahme des Gesetzes wahrscheinlich ist.
- 6,38% halten eine vollständige Rücknahme für „eher wahrscheinlich“.
- 8,51% glauben, dass es „sehr wahrscheinlich“ ist.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass trotz politischer Veränderungen die meisten Beteiligten in der deutschen Cannabisindustrie nicht erwarten, dass das Land die Legalisierung vollständig zurücknimmt.
Aktuelle Cannabis-Regulierungen in Deutschland
Seit dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene in Deutschland begrenzte Mengen an Cannabis zum persönlichen Gebrauch anbauen und besitzen. Weitere regulatorische Änderungen, die ab dem 1. Juli 2024 wirksam werden, erlauben die Bildung von Anbauverbänden, die gemeinschaftlich Cannabis anbauen dürfen.
Zudem wurde Cannabis von der deutschen Betäubungsmittelliste gestrichen, was einen bedeutenden Politikwechsel signalisiert.
Ein wichtiger Aspekt des CanG-Gesetzes – die Einführung von regionalen Pilotversuchen zum Erwachsenen-Gebrauch von Cannabis – ist noch nicht umgesetzt worden. Diese Versuche sollten letztes Jahr beginnen, aber politische Unsicherheiten haben zu Verzögerungen geführt, sodass ihre Zukunft unklar bleibt.
Rechtsexperten und Richter warnen vor einer Rücknahme
Rechtsexperten und richterliche Organisationen haben sich zu den potenziellen Folgen einer Aufhebung des CanG-Gesetzes geäußert. Peter Homberg, ein internationaler Experte für Cannabispolitik, hatte zuvor vorgeschlagen, dass viele gegen Cannabis gerichtete Aussagen während des Wahlkampfs politisch motiviert waren und sich möglicherweise nicht in tatsächlichen Politikänderungen niederschlagen würden.
Zusätzlich hat die Neue Richtervereinigung (NRV) die Gesetzgeber davor gewarnt, die Legalisierung zurückzunehmen, und betont, dass ein solcher Schritt das Justizsystem belasten würde. Laut der NRV:
- Eine Rücknahme würde die Gerichte zwingen, erneut kleine Cannabis-Konsumenten zu verfolgen, was Ressourcen von schwerwiegenderen Verbrechen abziehen würde.
- Deutschland könnte finanzielle Folgen erleiden, da die Aufhebung gültiger Cannabis-Club-Lizenzen – mit einer Gültigkeit von sieben Jahren – zu rechtlichen Entschädigungsforderungen gegen den Staat führen könnte.
Diese Warnungen unterstreichen die komplexen rechtlichen und wirtschaftlichen Faktoren, die Politikmacher vor jeglichen drastischen Änderungen des aktuellen Gesetzes berücksichtigen müssen.
Wirtschaftliche Implikationen der Cannabis-Legalisierung
Die wirtschaftlichen Vorteile der Beibehaltung der Legalisierung sind ebenfalls bedeutend. Eine Studie des Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf schätzte, dass die Legalisierung von Cannabis für Erwachsenen das deutsche Polizei- und Justizsystem jährlich bis zu 1,3 Milliarden Euro einsparen könnte.
Dies schließt reduzierte Durchsetzungskosten und Justizaufwendungen ein und stärkt weiterhin das Argument für die Beibehaltung des CanG-Gesetzes.
Persönliche Perspektive
Aus meiner Sicht spiegeln die Umfrageergebnisse einen breiteren globalen Trend wider, bei dem einmal eingeführte Cannabisreformen schwer umzukehren sind. Während politische Veränderungen Unsicherheiten einführen können, machen die wirtschaftlichen und justiziellen Argumente für die Legalisierung eine vollständige Rücknahme höchst unpraktisch.
Deutschlands Ansatz zur Legalisierung entwickelt sich weiter, und Verzögerungen bei der Umsetzung kommerzieller Pilotprogramme können zu Frustrationen unter den Beteiligten führen. Doch mit Warnungen von Branchenexperten, rechtlichen Fachleuten und wirtschaftlichen Analysten scheint es wahrscheinlicher, dass der Fokus auf der Verfeinerung der Regulierungen liegen wird, anstatt sie vollständig zu eliminieren.